Thoughts on the economics
and philosophy of Bitcoin

Bitcoin ist vieles – aber kein Krieg

Softwar Bitcoin

Eine kritische Auseinandersetzung mit Softwar von Jason P. Lowery

Bücher zählen zu den Eckpfeilern der Bitcoin-Bildung. Sie führen Neulinge ein und zeigen, wie vielschichtig und tiefgründig das Thema Bitcoin ist. Diese Aussage gilt für fast alle Bücher. Doch es gibt eine große Ausnahme: Softwar von Jason P. Lowery. Das 380 Seiten starke Werk ist voll von kruden Thesen und gefährlicher Ideologie. Ich habe es trotzdem gelesen. Damit Ihr es nicht müsst. Hier ist meine Kritik. 

Softwar erschien Ende Februar 2023 und hat sich schnell einen Namen als kontroversestes Bitcoin Buch überhaupt gemacht. Doch das ist irreführend. Denn Softwar ist gar kein Buch über Bitcoin. Es ist vielmehr ein sozialdarwinistisch gefärbtes, kriegsverherrlichendes Buch, das mit viel Utopismus auf der Basis einer fragwürdigen Logik zeigen will, dass Bitcoin nicht in erster Linie Geld ist, sondern ein Cyber-Security-System. Dieses könnte, so die zentrale Schlussfolgerung des Buches, als Grundlage eines planetarischen Supercomputers die Herrschaft über alle wichtigen Daten im Cyberspace regeln, basierend auf Energie und damit physischer Macht. Proof-of-Work – aktuell in Form von Bitcoin – hat, so Lowery, den Status von Kriegsführung. Deshalb müsse es im strategischen Interesse des US-Verteidigungsministeriums liegen, sich daran zu beteiligen. Das war Softwar im Schnelldurchlauf.

«Denn Softwar ist gar kein Buch über Bitcoin. Es ist vielmehr ein sozialdarwinistisch gefärbtes, kriegsverherrlichendes Buch, das mit viel Utopismus auf der Basis einer fragwürdigen Logik zeigen will, dass Bitcoin nicht in erster Linie Geld ist, sondern ein Cyber-Security-System.»

Jedes gängige Bitcoin-Buch verfolgt das Ziel, dem interessierten Leser das Bitcoin-(Geld-)System in irgendeiner Form zu erklären. Der Unterschied ist der Blickwinkel. „The Bitcoin Standard“ konzentriert sich vor allem auf die Geschichte des Geldes. „Layered Money“ zeigt die Vielschichtigkeit des Geldes anhand eines konzeptionellen Rahmens. „The Little Bitcoin Book“ wiederum stellt ethische Fragen und Menschenrechte in den Vordergrund. Die Autoren sind sich einig, dass Bitcoin eine Währung ist, deren Annahme Vorteile bringt – wirtschaftliche, soziale oder ethische.

Softwar-Autor Jason P. Lowery, ein Major der US Space Force, will vielmehr eine in seinen Augen kaum falsifizierbare These aufstellen und daran einen Appell knüpfen. Leider geht der Kern dieser These bzw. die Logik seiner Argumentation in den meisten Diskussionen über das Buch verloren. Das liegt vor allem an zwei Dingen: Zum einen umfasst das Buch 380 Seiten, die so dicht beschrieben sind (750 Wörter/Seite), dass es locker den doppelten Umfang haben könnte. Die meisten Käufer des Buches lesen es einfach nicht zu Ende. Auf der anderen Seite ist Herr Lowery ein regelmäßiger Gast in allen möglichen Bitcoin-Podcasts, in denen er eine abgeschwächte Form seiner Argumentation präsentiert. Mr. Lowery im Podcast ist nicht Softwar, das Buch.

Der Glaube an eine Welt, die von Bitpower dominiert wird

Dass sich der Autor ein Heer von Fans aufbauen konnte und in der öffentlichen Debatte so gut wegkommt, liegt daran, dass Bitcoin Fans gerne wollen, dass das was er sagt, stimmt. Wer will nicht gerne glauben, dass Bitcoin so wichtig ist, dass es das US Verteidigungsministerium als Strategie anerkennen muss? Wer möchte in Bitcoin nicht den nächsten Schritt der menschlichen Evolution sehen? Wer will nicht, dass das Internet der Zukunft auf Proof-of-Work und „Bitpower“ aufbaut? Die Autorität seiner Thesen untermauert Lowery bei öffentlichen Auftritten nicht selten mit Uniform, was auf viele Bitcoiner eine erstaunliche Wirkung hat. Wer hätte gedacht, dass die vielen libertären Freigeister und Anarchokapitalisten so schnell Fans der exekutiven Staatsgewalt werden können? Doch zurück zum Buch. Worum geht es und was ist an den Thesen so umstritten?

«Dass der Autor in der öffentlichen Debatte so gut wegkommt, liegt daran, dass Bitcoin Fans gerne MÖCHTEN, dass das was er sagt, stimmt.»

“Warfighting is a safety feature”

Lowery beschreibt zunächst auf mehreren hundert Seiten das seiner Meinung nach zentrale Funktionsprinzip der menschlichen Gesellschaft bis heute. Noch auf Seite 200 geht es nicht um Bitcoin oder Software, sondern um Evolution und die menschliche Natur. Wer es vergessen hat, wird im Titel des Kapitels 4.9.7 noch einmal an das zentrale Element erinnert: „Warfighting is a safety feature, not a bug“. Denn für Lowery steht nicht die Ökonomie oder die damit verbundene Kooperation, sondern der Krieg im Mittelpunkt aller menschlichen Bestrebungen. Denn das Dasein ist vom ständigen Kampf um Ressourcen bestimmt. Entweder greift man an oder man verteidigt sich. Und jeder Angriff hat einen Nutzen (Benefit of Attack„) und damit verbundene Kosten (Cost of Attack“), die gegeneinander abgewogen werden. Nur wer dem anderen zeigt, dass jeder Angriff mit massiven Kosten verbunden ist, überlebt. Das Prinzip heißt Physical Power Projection. Und was im Tierreich gilt, überträgt Lowery 1:1 auf die menschliche Gesellschaft.

Ein Wolf signalisiert “cost of attack”. Das Grundprinzip allen Lebens, nach Lowery

Aber der Autor geht noch weiter. Krieg sei nicht nur unvermeidlich, sondern habe auch viele Vorteile. Krieg sei eine dezentralisierende Kraft, die die Besitzverhältnisse auf unserem Planeten perfekt regelt, und zwar völlig egalitär, „permissionless“ und „zero-trust“. Immer wieder lässt er diese Adjektive fallen, womit er Schritt für Schritt die wenig überraschende Brücke zum Thema Bitcoin und vor allem Proof-of-Work aufbaut.

«Krieg ist nach Lowery eine dezentralisierende Kraft, die perfekt die Eigentumsrechte auf unserem Planeten regelt – und zwar egalitär, “permissionless” und mit “zero-trust”.»

Einstein: Masse ist Energie

Seine Überleitung von der Kriegsführung zu Bitcoin bzw. Proof-of-Work begründet er mit zwei Aussagen prominenter Wissenschaftler. Zum einen sagte Einstein bekanntlich, dass Masse und Energie im Prinzip gleichbedeutend und nur Erscheinungsformen derselben physikalischen Größe sind.

«Einstein theorized that mass is swappable with energy. Assuming he’s right, this would imply that nations could one day learn how to swap some of their mass-based (i.e. kinetic) defense systems with energy- based (i.e. non-kinetic) defense systems for applications related to physical security and national defense.»


Lowery folgen daraus: Proof-of-Work mit elektrischer Energie sei gleichbedeutend mit Kriegsführung mit kinetischer Energie. Zum anderen zitiert er Nikola Tesla, der prognostizierte, dass Kriegsführung im Laufe der Menschheit an seine Grenzen stoßen würde (kinetic ceiling). Ihm schwebte stattdessen ein nicht näher definierter elektrischer Wettstreit von Nationen vor, bei der die globale Hackordnung unter anderem durch Energie bestimmt würde.


«As Tesla predicted in 1900, maybe it would involve intelligent machines competing against each other in an energy competition, while humans watch peacefully from the sidelines.»


Proof-of-Work sei somit die Verwirklichung der Tesla-Vision („intelligent machines“), da die physische Komponente von Proof-of-Work Angriffe im Cyberspace zu teuer machen würde. Sein Fazit: Bitcoin sei ein waffenähnliches Verteidigungssystem, das im strategischen Interesse der USA und anderer Länder liegen müsse. So basiert Lowerys Kriegsmetapher auf folgenden Annahmen:

Kinetische Energie Elektrische Energie

Krieg Proof-of-Work

Land / Wasser / Luft Cyberspace

Kurzum: Bitcoin ist eine Waffe und damit ein Verteidigungssystem für den Einsatz im Cyberspace.

So sieht echte Macht für Lowery aus (im Gegensatz zu abstrakter politischer Macht beispielsweise)

Krieg über alles

Warum Evolution und Krieg? Warum nicht stattdessen Bitcoin, Software und globale Supercomputer? Abgesehen davon, dass Herr Lowery seine Dissertation am MIT im Bereich National Defense schreibt, was zwangsläufig die Kriegsführung in den Mittelpunkt rückt, verfolgt er mit dieser Logik auch ein argumentatives Ziel: Denn wenn Millionen Jahre Evolution – von Mikroben über Säugetiere bis hin zum Menschen – beweisen, dass sich Eigentumsrechte grundsätzlich am besten mit physischer Energie (Krieg) regeln lassen, dann kann es im Cyberspace wohl nicht anders sein. Mit anderen Worten: Proof of Work erscheint nicht nur als eine bloß logische Konsequenz, sondern ist praktisch eine deterministische Tatsache. Es gibt keine Alternative, Proof-of-Work muss sich evolutionär durchsetzen.

«The property rights we enjoy today exist because people were willing to project lots of physical power to claim and maintain those rights.”»


Survival of the Fittest

Lowery argumentiert streng im Sinne des Sozialdarwinismus. Wie viele Sozialwissenschaftler des ausgehenden 19. Jahrhunderts will er alle Regeln der menschlichen Gesellschaft aus der Evolution und damit aus dem Tierreich ableiten. So wimmelt es in Softwar nur so von Vergleichen zwischen Mensch und Tier. Und es gibt viele Skizzen, die zeigen sollen, worum es geht: zähnefletschende Wölfe oder bedrohliche Haie. Es geht um „survival of the fittest“ und – der Softwar-Begriff überhaupt – um „physical power projection“. Und das aktuelle Thema Bitcoin trägt dazu bei, dass der Leser schnell übersieht, welche Ideologien Lowery hier aus dem Ärmel schüttelt.

Eine seiner großen Behauptungen ist, dass Tiere ihre Ressourcen nur schützen können, wenn sie ihrer Umwelt signalisieren, dass mit einem Angriff immense „physical costs“ verbunden sind. Die Machtprojektion einer großen Armee oder nuklearer Waffen in der heutigen Zeit geht demnach auf das Tierreich zurück. So schreibt er über die evolutionären „Überlebenskünstler“: „Their teeth and nails are sharpened in order to inflict severe physical harm to their neighbors by puncturing them. The top survivors in the natural world often possess adaptations that enable them to pinch, puncture, and bludgeon their opponents“. All dies möchte er auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Der Stärkere gewinnt.

«Warfare is a niche field of expertise that almost everyone in society outsources to people like the author”»


Sozialdarwinismus

Der Sozialdarwinismus, auf den sich Lowery hier beruft, ist eine Pervertierung von Darwins Thesen aus „The Origin of the Species“ von 1859, dem Buch, das die Philosophie des ausgehenden 19. Zu den bekanntesten Vertretern des Sozialdarwinismus gehörte z.B. Herbert Spencer, der in seinem Buch „The Social Organism“ – 160 Jahre vor Lowery – ähnlich argumentierte. Für Spencer ließen sich alle Merkmale der menschlichen Gesellschaft direkt aus der Tierwelt ableiten – natürliche Auslese, „survival of the fittest“, Krieg als natürlicher und unvermeidlicher Prozess im Kampf um wichtige Ressourcen. Spencers Sozialdarwinismus war vielen Denkern des frühen 20. Jahrhunderts sympathisch und wurde unter anderem im Nationalsozialismus pervertiert – aus der natürlichen Auslese wurde schließlich die Eugenik. Natürlich propagiert Lowery ein friedliches Zusammenleben auf der Basis von Proof-of-Work-Systemen, aber viele seiner Aussagen könnten durchaus aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen.

«It’s possible for human populations to spend too much time separated from nature to understand their own nature.»


Gegenargumente – Kooperation, Mutualismus und Camouflage

Lowery sieht im Tierreich nur Krieg – wer einen Hammer hat, sieht wohl nur Nägel. Was angesichts seiner Tierbeispiele (Adler, Haie oder Wölfe) durchaus sinnvoll erscheint. Er übersieht aber, dass im Tierreich alle möglichen Strategien zum Überleben führen. Denn nicht der Stärkste überlebt und pflanzt sich fort. Sondern der am besten Angepasste. Und längst nicht alle „Strategien“ haben etwas mit körperlicher Energie zu tun. Tiere können überleben, indem sie sich tarnen, indem sie schnell sind, indem sie einen völlig abgeschotteten Lebensraum im Untergrund haben oder auch indem sie kooperieren. Es gibt Tarnung, Mimikry, kooperative Gegenseitigkeit, Parasitismus und viele andere Strategien, die nichts mit Krieg zu tun haben. Jedes Prinzip ließe sich auf die menschliche Gesellschaft übertragen. Doch Lowery beschränkt sich auf eines: die Kriegsführung. Und die liege in der Natur des Menschen.

Bitcoin nur „zufällig“ Geld

Auffällig ist auch die im weiteren Verlauf immer wieder betonte Feststellung, dass Bitcoin nicht zwangsläufig in erster Linie Geld sei, nur weil es die erste Anwendung der Technologie sei. Er vergleicht Bitcoin mit Schwarzpulver, dessen waffentechnische Verwendungsmöglichkeit anfangs schlicht übersehen wurde. Und so schreibt Lowery: „Therefore, the author asserts that Bitcoin is not monetary technology – at least, money doesn’t appear to be its primary value-delivering function. Instead, Bitcoin appears to be an electro-cyber freedom fighting technology. In other words, Bitcoin isn’t a monetary protocol, it’s a bitpower protocol“. Auch hier befindet sich Lowery wieder in seiner typischen Argumentationsschleife: Wenn das Grundprinzip allen Lebens der Krieg ist, dann muss Bitcoin eine Waffe oder eine Form der Verteidigung sein.

Die eigentliche Erfindung, so Lowery, sei Proof-of-Work. Die Innovation, die Denial-of-Service-Attacken verhindern soll, stammt aus den frühen 90er Jahren, und Lowery will zeigen, dass schon der Name „Proof-of-Work“, der erst 1999 etabliert wurde, willkürlich gewählt ist. Und auch die Umsetzung im Bitcoin-System sei nur eine willkürliche Version davon. Die Argumentation ist interessant, weil sie zwar formal korrekt ist, aber nicht berücksichtigt, dass Proof-of-Work im Bitcoin-System deshalb so effektiv ist, weil die Anreize so gesetzt sind, dass sich der Einsatz großer Energiemengen lohnt.

Ohne Proof of Work, so Lowery, könne die Menschheit physische Realität von virtueller Realität nicht mehr unterscheiden. 

Denn Proof-of-Work funktioniert bei Bitcoin nur, weil einzelne Akteure, in diesem Fall die Miner, einen ökonomischen Anreiz haben, Energie aufzuwenden, um den nächsten Block zu schreiben. Erst der Bock Reward macht Proof-of-Work möglich. Miner sind immer beliebige, individuell agierende Dienstleister, die dem System gegen Bezahlung die Abwicklung von Transaktionen ermöglichen. Die Behauptung, Bitcoin sei in erster Linie zufälliges Geld, lässt wesentliche Aspekte außer Acht.

Ausblenden ökonomischer Faktoren  

Generell ist das Ausblenden der Ökonomie für Lowery ein zentraler Denkansatz. Obwohl offensichtlich ist, dass wirtschaftliche Verflechtungen oder globale Lieferketten einen immensen Einfluss auf internationale Beziehungen haben und zerstörerische Kriegsführung im größeren Maße im 21. Jahrhundert zunehmend schwierig wird. Der Autor erklärt richtig, dass mit nuklearen Waffen eine kinetische Grenze erreicht wurde, die nicht weiter zu steigern ist, weil der Einsatz immer auch das Risiko der Selbstzerstörung mit sich bringt. Doch er bleibt grundsätzlich bei physischer Machtprojektion.

Abstrakte Machtprojektion

Der physischen Machtprojektion stellt er die abstrakte gegenüber. Damit meint er praktisch alle gesellschaftlich konstruierten Hierarchien und Ordnungskonzepte, ganz gleich ob politische Organisation, Ämter oder Justiz, alles basiert nur auf abstrakter Macht, die in seinen Augen zum Versagen verurteilt ist und auf lange Sicht wieder Konflikte hervorbringt, die nur ein Krieg wieder in Ordnung bringen kann – er zitiert unter anderem auch „this generation needs a war“. Erfolge von abstrakter Gesellschaftsordnung blendet er aus – Diplomatie, Kooperation oder ökonomische Verflechtung.

Proof-of-Work vs Proof-of-Stake

Abstrakte Machthierarchien münden für Lowery im Cyberspace in Proof-of-Stake, während Kriegsführung mit Proof-of-Work gleichgesetzt wird. Selbstverständlich möchte jeder geneigte Bitcoin-Enthusiast dieser Betrachtung zustimmen, da die Mängel von Proof-of-Stake beim Einsatz als Konsens-Algorithmus auf der Hand liegen. Es grenzt an Perversion, dass er diese Denkweise auf Evolution und menschliche Gesellschaft überträgt.

«Jeder Bitcoin-Enthusiast möchte dieser Betrachtung zustimmen, da die Mängel von Proof-of-Stake beim Einsatz als Konsens-Algorithmus auf der Hand liegen. Es grenzt aber an Perversion, dass er diese Denkweise auf Evolution und menschliche Gesellschaft überträgt.»

Im Vergleich zur Evolution, die er auf mehreren hundert Seiten behandelt, kommt seine abschließende Betrachtung von Bitcoin als zentrales Funktionsprinzip eines planetaren Super-Computers zu kurz. Er geht davon aus, dass es ein alternatives Internet gibt, das rein auf Proof-of-Work beruht, um die Authentizität von Daten zu gewährleisten. Die Wahrscheinlichkeit muss er als hoch einstufen, wenn er davon ausgeht, dass das amerikanische Verteidigungsministerium angehalten ist, ins Bitcoin System einzusteigen. Wie Bitcoin in diesem alternativen Internet funktioniert und vor allem wie das ökonomische Fundament aussehen soll, blendet er aus.

Softwar ist ein interessantes Buch, weil es eine Unmenge an Wissen bündelt. Der Umfang alleine ist beeindruckend, auch der argumentative rote Faden, der sich über hunderte von Seiten durch das Buch zieht, verdient Respekt. Allerdings geht genau dieser Faden durch die Masse an Inhalt zu häufig verloren. Die zwangsläufige Neigung des Bitcoin Enthusiasten, der sich in einer Verherrlichung von Proof-of-Work wiederfinden will, führt dazu, dass das Buch zu selten kritisch hinterfragt wird.

Softwar – das Fazit

Es finden sich in Softwar viele interessante philosophische Betrachtungen wieder. Dazu zählt zum Beispiel die Feststellung, dass bei Bitcoin mit Proof-of-Work zum ersten Mal in der Geschichte ein Programm zu physischen Veränderungen in unserer dreidimensionalen Umwelt führt – in unseren Stromnetzen. Bitcoin programmiert sozusagen unsere Welt. Doch die interessanten Einblicke dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Softwar nicht viel mehr ist als Kriegsverherrlichung und diese Ideologie gerne auf den Cyberspace übertragen will. Bitcoin ist Geld. Bitcoin funktioniert, weil es ein perfektes Geldsystem ist.

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